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Manuela und Konny Reimann

Das Bordbuch und die Reimanns

Aus einer fixen Idee „mal etwas zusammen zu machen“ ist eine Erfolgsgeschichte geworden. Nicht nur viele Bordbuch-Leser waren über die Jahre dabei, wenn Konny mal wieder eine ungewöhnliche Lösung an seinem Reisemobil ausprobiert oder mit guten Handwerker-Tipps weitergeholfen hat. Parallel wurden die Projekte immer zur besten Sendezeit im TV ausgetrahlt. Die Reimanns und ihr Ausbau vom ollen Greyhound zu einem ganz außergewöhnlichen Reisemobil wurde so einem Millionenpublikum präsentiert. Beim Besuch der beiden auf dem Düsseldorfer-Caravan-Salon nahm, gemeinsam mit den TV-Machern, dann im Schatten des Machwerks eine vage Idee Gestalt an. Das Bordbuch rüstet mit seinen Partnerfirmen ein Fahrzeug aus und Manu und Konny erkunden damit die Welt. Somit wären mehrere Fliegen mit einer Klappe erschlagen. Zum einen wurden die Touren abseits aller üblichen Routen geplant und so können die Bauteile unserer Hersteller auf Herz und Nieren im umgebauten Allrad-ATEGO getestet werden. Zum anderen springt parallel für die TV-Zuschauer dabei eine spannende Story heraus. Gesagt, getan und so startete die Testfahrt und TV-Tour vor zwei Jahren in Australien. Es wurde im Frühjahr dann eine ganze Staffel gezeigt und alle vorherigen Prognosen wurden übertroffen, da über 1,5 Millionen Zuschauer den Bordbuch-ATEGO zusammen mit den Reimanns begleiteten.

Neuseeland wir kommen

 

Schon ganz lange spiele ich mit dem Gedanken nach Neuseeland zu reisen. Ganz früher, als ich noch einiges jünger war als jetzt, ist mein Kumpel bereits dorthin aufgebrochen. Den Kontakt habe ich niemals ganz verloren und ab und an doch mit dem Gedanken gespielt auch an den „Rande der Erdscheibe“ auszuwandern. Ist dann ganz anders gekommen, aber mir war schon klar, dass Manu und ich uns wenigstens einmal dorthin aufmachen müssen. Im letzten Jahr bot sich dann die Gelegenheit, da der Bordbuch-ATEGO von Australien aus nicht direkt zurück nach Deutschland sondern weiter auf Testfahrt durch Neuseeland fahren sollte. Da haben wir dann nicht lange nachdenken müssen und haben gerufen „Neuseeland wir kommen“.
Was ich bzw. wir über Neuseeland wussten, passt glaube ich in das allgemeine Klischee. Schöne Landschaft mit viel grün und viel Wasser drum herum. Dazu wenig Einwohner, aber viele Schafe und weit weg. Viel weiter geht glaube ich gar nicht. Habe gelesen, wenn man von Deutschland aus ein Loch bohren würde, käme man ungefähr in Neuseeland wieder raus. Das erklärt auch, warum die Zeitverschiebung 12 Stunden beträgt und dort Sommer ist und warm, wenn in Europa alle im Wintermantel rumrennen. Das trifft sich aber ja ganz gut. Wenn schon ewig fliegen, dann besteht wenigstens die Aussicht auf einen Sonnenbrand. Den haben wir dann aber nicht bekommen, da wir die Entfernungen doch etwas unterschätzt haben und die angedachten 3 Wochen viel zu kurz waren, um das Camperleben mit ausgedehnten Spaziergängen am Strand von Neuseeland so richtig zu genießen. Dafür sind wir viel mit dem Wohnmobil rumgefahren, haben viel gesehen und sehr schöne Stellplätze mit nix außer Landschaft fast überall gefunden. Entweder sind das dann Plätze mit Klo und maximal sehr kalter Dusche, oder aber auch mal mit nur Landschaft. Natürlich gibt es auch richtige Campingplätze, aber wenn schon, dann lieber das Naturerlebnis pur. Kann ja jeder machen wie er will. Möglich ist jedenfalls alles, denn der Neuseeländer ist selbst überzeugter Camper.

Abenteuer Weltreise

Dann mal los

Wir sollten mit dem Testfahrzeug eine bestimmte Route absolvieren, aber letztlich ist das eigentlich auch die übliche Strecke die jeder Tourist abfährt. Gelandet sind wir jedenfalls in Christchurch, das liegt auf der Südinsel. Dann ging’s die Küste auf der Ostseite etwas nach unten und dann rüber zur Westküste. Hier mehr oder weniger am Meer lang bis ganz ans obere Ende der Südinsel, kurz nochmal rüber um den Delphinen guten Tag zu sagen und von dort aus auf die Fähre zur Nordinsel. Diese sollten wir durchqueren, bis es ganz im Norden der Nordinsel auch nicht mehr weitergeht, um von dort wieder zurück gen Auckland zu fahren. Das sollte dann auch unser eigentlicher Endpunkt sein, da wir von da aus gen Heimat fliegen. Ist ganz praktisch im Süden zu starten und einfach aus dem Norden heimfliegen. Man kann natürlich die Strecke auch anders herum angehen. Kommt etwas auf die Jahreszeit an. Wir sind Ende Februar gestartet. Der Herbst war also in Reichweite und somit klar besser die Route im kälteren Süden zu starten und in die Wärme des Nordens zu fahren. Ist schon komisch, nicht nur die Jahreszeiten stehen hier auf dem Kopf. Auch im Norden ist es wärmer als im Süden.

Doch einiges an Strecke

Unsere Route sah auf der Karte auf den ersten Blick auch erstmal ganz entspannt aus. Wie auch bereits in Australien, sollten wir uns aber doch täuschen. Hier sind es zwar nicht die ewigen Strecken die es zurückzulegen gilt, aber gerade in den Bergen kommst Du auch nicht so richtig voran. Außerdem ist auch in kurzen Abständen entlang der Strecke immer ein Highlight zum Anhalten zu finden. Nur mal so zum Vergleich. Die direkte Strecke von Christchurch nach Auckland sind ca. 1000 Kilometer. Wir dagegen hatten am Ende der Reise knapp das vierfache auf der Uhr. Ich will aber diesmal nicht soviel quatschen. Auf den nächsten Seiten einige unserer Highlights, aber eigentlich solltet ihr selbst mal hinfahren. Es gibt viel zu sehen da unten. Wenn es nur nicht soweit weg wäre.

Info

Freedom Camping

Wer sich einen größeren Camper mietet, hat normalerweise kein Problem. Für alle, die einen kleinen günstigen Campingbus vor Ort kaufen oder mieten wollen, sollten aber darauf achten, dass dieser als „Self Contained“ registriert ist. Zu erkennen auch an einem blauen Sticker, der zumeist auf dem Heck des Fahrzeugs aufgeklebt ist. Nur dann ist man berechtigt in Neuseeland frei zu stehen. Ab und an stehen Hinweisschilder und es wird auch regelmäßig vom Ranger überprüft. Wichtig also für alle, die nicht nur auf Campingplätzen sondern auch frei in der Natur stehen wollen. 

Amerikas Westen

Über die Berge Richtung Westküste 

Reisezeit beachten – und Wetterbericht checken!

Wer Neuseeland bereist – und dies gilt vor allem für die Südinsel – sollte flexibel sein in seiner Reiseplanung. Wer Pech hat fährt, wenn’s blöd läuft, dem Regen hinterher. Am besten den Wetterbericht bei Ankunft checken und spontan entscheiden, ob es Sinn macht sofort rüber an die Westküste zu fahren. Ist dort gutes Wetter angesagt am besten sofort die Gelegenheit nutzen und hinfahren, denn das kann sich schnell ändern. Problem ist, dass Neuseeland lang und schmal ist, aber gleichzeitig auch Berge mit fast 4.000 Meter (Zugspitze im Vergleich 2.964 m) hat. Diese halten die Wolken, die vornehmlich aus dem Westen kommen auf und dann regnet es zumeist ganz ordentlich. Zum Vergleich. Während es auf der Ostseite der Südinsel im Jahr etwa 0,5 m regnet sind es auf der anderen Seite im Westen fast 10 Meter. Ist aber klar, irgendwo muss der Regenwald ja auch herkommen. Aber egal wie man plant, irgendwann wird es regnen. Der Neuseeländer ist aber ganz entspannt und wandert los mit der Begründung, dass der Regenwald am schönsten ist bei Regen. Probiert es aus. Der Kiwi hat recht.

Beste Reisezeit

Die Meinungen gehen auseinander. Wie schon erwähnt, sind die Neuseeländer selbst ambitionierte Camper. Aus Mangel an erreichbaren Alternativen wird mit Caravan, Zelt, Kind, Kegel und Hund das eigene Land unsicher gemacht. Was bedeutet, kurz vor Weihnachten bis Ende Januar ist ziemlich viel los. Bleibt der Februar bis etwa Anfang April, bevor wieder die Herbstferien anfangen. Dieses Zeitfenster ist aber sowieso optimal. Wie schon erwähnt. Wer spät kommt, sollte auf der Südinsel anfangen und sich langsam in Richtung Norden vor arbeiten. Passende Camper könnten in dieser Zeit dann übrigens knapp werden. Am besten frühzeitig anfragen.

Reisemobile „Made in Germany“

Dies gilt vor allem für Reisemobile nach europäischem Standard. Die großen Vermietfirmen bieten zwar auch vereinzelt deutsche Reisemobile an, aber zumeist handelt es sich um Fahrzeuge mit etwas gewöhnungsbedürftiger Ausstattung und Aufteilung. So ist eine Mikrowelle fast immer an Bord – die eigentlich keiner braucht – aber die Heizung dagegen funktioniert meist nur an der Steckdose vom Campingplatz. Wer auf Nummer sicher gehen will, mietet bei McRent in Auckland oder Christchurch (www.mcrent.co.nz) einen Sunlight oder Dethleffs. Letztere haben sogar eine leistungsfähige Solaranlage, um die Stromversorgung fernab jeder Steckdose aufrecht zu erhalten.

Der alte Goldgräber

 

Wer an der Ostküste unterwegs ist, sollte unbedingt bei Vale halten. Seine Vorfahren betrieben hier bei Charleston – was etwas unterhalb von Westport liegt – eine Goldmine. Vale schürft zwar schon lange nicht mehr, aber er wacht über die Überbleibsel längst vergangener Tage. Alte Bilder in seiner Hütte zeugen von glorreichen Zeiten und wer einen Rundgang über seine verfallene Anlage macht, bekommt einen sehr guten Eindruck wie hart das Leben zu Zeiten des großen Goldrausches war. Vale hat nichts restauriert oder in Szene gesetzt. Man hat den Eindruck, dass alles noch so ist wie damals als der letzte Goldgräber die Hacke in die Ecke gestellt hat. Sein großes Wasserrad, das die schweren Stempel betreibt um die Steinbrocken zu zerkleinern funktioniert sogar noch. Vor vielen Jahren hat er die Anlage zusammen mit Hardy Krüger, der damals auf Weltreise mit einem TV-Team war, schon einmal zum Laufen gebracht. Als wir bei Vale vorbeischauten, wollte er es nochmal beweisen. Morgens hat er oben in den Bergen den Bach umgeleitet und siehe da, irgendwann setzte sich mitten im Regenwald das ganze Konstrukt langsam in Bewegung. Die schweren verrosteten Eisenstempel schlugen auf die Felsbrocken. Es war kaum zu glauben und wir fühlten uns ganz in die Zeit zurückversetzt, als hier unter den schwierigsten Verhältnissen Menschen einem großen Traum nachgejagt sind. Wenn ihr Vale trefft richtet ihm einen Gruß von uns aus! 

Auf zur Nordinsel

Eigentlich ist die Nordinsel ganz nah, aber für eine Brücke ist es doch zu weit. Also bleibt einem nichts anderes übrig, als mit dem Fährschiff in guten 3 Stunden überzusetzen. Unsere Überfahrt war ganz ruhig, aber wenn man den großen Fjord verlässt, kann es auch unangenehm werden. Daran zu erkennen, dass unser Wohnmobil sowie alle anderen Fahrzeuge auch mit großen Handwinden am Boden angekettet wurden. Uns wurde berich-tet, dass schon ganze Lkw’s einfach umge-
kippt sind. Manus Bedenken waren bei unserer Überfahrt aber absolut unbegründet. Die Tasman Sea von links und der Südpazifik von rechts kommend haben sich heute vertragen.  

Einen eigenen Staat gründen

Nicht so ganz einig waren sich dagegen die Einwohner eines kleinen Landstrichs etwas oberhalb von Wellington, der Stadt in der die Fähre anlegt. Irgendwo im Nirgendwo geht es ab auf den „Forgotten World Highway“. Das hörte sich jedenfalls abenteuerlich an und so setzten wir den Blinker rechts. Die Strecke ist richtig schön und führt teilweise über unbefestigte Straße durch den Regenwald. Noch interessanter war für uns aber ein kleines Nest auf halber Strecke, das sich „Whangamomona“ nennt.
Dieses angeblich 40 Einwohner (so genau wusste das keiner) zählende Dorf, das praktisch nur aus einem Hotel und einigen wenigen Häusern aus der Goldgräberzeit besteht, hat eine eigenständige Republik ausgerufen. Das war bereits 1988. Es gab vorab Ärger mit der Provinzverwaltung und da man sich nicht einigen konnte, wurde kurzerhand ein eigener Staat gegründet. Am Tresen des Saloons kann man sich seither auch als Bürger registrieren lassen. Man bekommt sogleich einen eigenen Reisepass und ist fortan auch Staatsbürger. Das ist aber noch nicht alles. Jeder Bürger kann sich auch zur Wahl stellen, die meistens alle 2 Jahre stattfindet. Zu diesem Event reisen dann Tausende von „Bürger“ an, um zum einen die Gründung zu feiern und einen neuen Präsidenten zu wählen. Zu den Höhepunkten zählt auch der Gummistiefel-Weitwurf sowie das Schafsrennen und nebenbei eben auch die Wahl zum neuen oder alten Staatsoberhaupt. Als Wahlurne dient übrigens eine ausrangierte Kloschüssel. Vor einigen Jahren war auch mal eine Ziege Präsident, da diese in einem unbemerkten Moment die Wahlzettel aus der Schüssel gefressen hat. 

Momentan ist aber John das rechtmäßig gewählte Staatsoberhaupt. Der hat uns auch persönlich im Saloon begrüßt. Mit dabei seine Sekretärin Anita, die auch alle anderen Ministerposten im Staat begleitet und Richard, der für Grenzfragen und Einreise zuständig ist. Eine Zollstation gibt es am Ortseingang eigentlich auch, aber die ist nie besetzt, da Richard auch den Saloon betreiben muss. Um sich aber nicht strafbar zu machen, sollte jeder Durchreisende bei ihm im Saloon vorsprechen, um sich einen Stempel in seinen Reisepass machen zu lassen und eine kleine Spende (2 $) zu entrichten. Der Höhepunkt ist natürlich sich einbürgern zu lassen und da sind wir jetzt mit dabei. Wir müssen mal schauen, ob das mit dem nächsten Termin klappt. Als verantwortungsvolle Bürger sollten wir schon zur nächsten Wahl aufschlagen. Bei dem Gummistiefel-Event rechne ich mir jedenfalls eine reelle Chance aus.

Amerikas Westen

Neuseeland ist Abenteuerland

Dass die Kiwis ein ganz lustiger und entspannter Volksstamm sind, wird am Beispiel „Republik Whangamomona“ ganz deutlich. Sie sind aber auch Abenteurer und so gibt es an jeder Ecke neue Outdoor-Aktivitäten zu entdecken. Wie etwa in tiefen Canyons rumkraxeln oder auch von Brücken springen, nur an einem Gummiseil befestigt. Auch Stromschnellen werden durchfahren, die eigentlich unfahrbar aussehen. Einer probiert etwas neues aus und schon ist, wenn es klappt und Spass gemacht hat, eine neue Touristenattraktion geboren. Einiges haben wir auch ausprobiert, soweit ich jedenfalls Manu überzeugen konnte. Sie hat sich aber auch ganz wacker geschlagen, wobei es mich manchmal schon gejuckt hätte noch einen draufzulegen. Allein wenn ich überlege wie es beim Canyoning in Level 3 abgegangen wäre, da ja Level 1 schon ziemlich heftig war. Aber es gab natürlich auch einige Highlights die Manu begeistert, aber auch mir letztendlich gefallen haben.

Eines war der Trip raus zu den Delphinen. Ich war ja etwas skeptisch ob irgendwo da draußen vor der Küste Delphine sind, denen es nichts ausmacht, wenn wir auch mit dazukommen. So war es aber und nicht nur Manu war begeistert, dass unzählige Delphine ihren Spaß hatten mit uns zu schwimmen. Die füttert keiner an und eingesperrt sind die auch nicht. Könnten ja, wenn sie wollten, auch die Kurve kratzen, aber letztendlich hatten die mehr Ausdauer als wir und leider mussten wir uns dann irgendwann verabschieden von unseren neuen Freunden. Das war echt beeindruckend.

Amerikas Westen

Am Ende der Welt

Ein weiterer Höhepunkt unserer Tour sollte dann der obere Zipfel der Nordinsel werden. Die meisten Touristen, die das Land besuchen, lassen Northland aus, da es sich hier nicht vermeiden lässt die Strecke ab Auckland doppelt zu fahren. Außerdem sind die 4 – 5 Wochen, die meistens eingeplant werden, eh schon ziemlich knapp. Bei uns war die Ecke aber fest im Roadbook festgeschrieben und wir waren dann doch ziemlich begeistert. Dort oben und vor allem ganz am Ende hat man schon den Eindruck, dass hier nicht nur Neuseeland zu Ende, sondern auch der Rand der Erdscheibe erreicht ist. Gerne hätten wir an diesem Flecken Erde noch etwas mehr Zeit verbracht, da es hier Stellplätze gibt die schon einmalig schön sind. Unsere Zeit war aber auch begrenzt und von ganz oben sind es immerhin noch knapp 500 Kilometer bis Auckland, von wo aus die Heimreise eingeplant war. Wir waren aber noch nicht ganz oben, da sollten wir mit dem ATEGO abbiegen in Richtung Strand.

Auf einem Schild stand, dass hier die Einfahrt ist zum „90 Mile Beach“ und, dass man nach dem Check von Ebbe und Flut maximal 100 Stundenkilometer schnell fahren dürfte. Ja wir hatten richtig gelesen, als vor uns auch schon ein Pickup auf den Strand fuhr und am Horizont verschwand. Das war cool. Allrad rein und los ging das Abenteuer. Mit dem Allrad-Truck bis ans Ende der Welt fahren, YES. Ohne Verkehrsregeln und volle Pulle, besser geht nicht. Kein zweites Fahrzeug ist uns begegnet und wenn irgendwo vom Gefühl der Freiheit die Rede ist, dann steht diese Fahrt ganz oben auf der Liste. Links das endlose Meer, vor uns der endlose Strand und unter uns 6 Zylinder, 7 Liter Hubraum und fast 300 PS. Wahnsinn, aber irgendwann ist leider auch der längste Traum mal zu Ende. Dann geht es auch am „90 Mile Beach“ nicht mehr weiter. Aber auch die Strecke zurück zur Straße hat es in sich. Zuerst wühlte sich der ATEGO mit allen Sperren durch Weichsandfelder. Dann geht es in einem sandigen Flusslauf entlang, wo Schilder eindringlich warnen nicht anzuhalten, da der Treibsand auch dem stärksten Allradler hier zum Verhängnis wird. Hat aber alles gut geklappt und hier oben gab es dann noch ein beeindruckendes Naturschauspiel zu bewundern. 

Amerikas Westen

Sanddünen, wie man sie eigentlich nur in der Sahara vermutet. Wir reden hier nicht von kleinen Sandhügeln. Da geht es richtig hoch. Hätten wir überall vermutet, aber doch nicht in Neuseeland. Regenwald, Gletscher, Fjorde, für alles ist Neuseeland irgendwie bekannt, aber doch nicht für richtig Sandwüste. Hier oben ist sie aber existent. Ein cleverer Maori hat auch gleich die Marktlücke erkannt und verleiht aus seinem Kleinlaster heraus Sand-Surfboards. Riesiger Spaß, aber hochlaufen müsst ihr mit dem Brett schon selbst. Von hier aus ist die befestigte Straße auch nicht mehr weit und auch das besagte „Ende der Welt“, das als „Cape Reinga“ auf der Karte steht, in Reichweite. Für die Maori, also die Ureinwohner von Aoteroa wie von ihnen Neuseeland genannt wird, hat dieser Ort eine ganz besondere Bedeutung. Links die Tasmansee (Mann) und rechts der Pazifik (Frau) vereinen sich hier und symbolisieren die Entstehung des Lebens. Auch die Seelen reisen laut der Mythologie von hier aus zu den Ahnen. Es heißt, mit einem letzten Blick zurück auf Aoteroa. Eine schöne Vorstellung und auch wir müssen aufbrechen. Mit einem letzten Blick zurück nach nach Aotearoa. Wir sind aber sicher, dass wir eines Tages wieder zurückkommen.

Die Surfbude in Muriwai

 

Es gibt einige coole Surfbuden auf der Welt. Die in Muriwai steht jedenfalls mit ganz oben auf der Liste. Wie man sich die Welt des Surfens vorstellt. Genau so geht es zu in der Bretterbude von Martin, Bridget und Dylan am Strand von Muriwai. Die einen leihen sich ein Brett, andere bereiten sich auf ihre erste Surfstunde vor. Man chillt in der Sonne, diskutiert über die Wellen und ist sich einig, dass heute ein guter Tag ist. Vielleicht der beste. Hier geht es ums Surfen und auch nur darum. Die Welt ist weit weg hier draußen in Muriwai, obwohl es bis Auckland nur ein Katzensprung ist. Ich war mit Martin dem alten Haudegen und unseren Brettern draußen auf dem Meer. Wir haben uns gleich gut verstanden. Martin meinte noch zum Abschluss. „Manchmal morgens, wenn es eine gute Brandung gibt, gehe ich raus und denke – Dies ist keine schlechte Welt.” Recht hat er. Wir sehen uns wieder.