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Manuela und Konny Reimann

Vom Schulbus zum Reisemobil Teil II

Der Winter in Deutschland kündigt sich an und wir vom Bordbuch-Team machen uns mal wieder auf zu den Reimanns nach Hawaii. Wie jedes Jahr sind wir gespannt was uns erwartet. Wie weit ist der Schulbus, der zum Reisemobil umgebaut wird? Und was uns auch interessiert, wie steht es um die neuerlichen Reisepläne der beiden Zugvögel. Die Kollegen pfeifen es nämlich von den Dächern, es steht ein Umzug an und wir wollen natürlich wissen, was ist dran an den Gerüchten. Nach dem Bau des Leuchtturmhauses in Texas am idyllischen See schien die neue Heimat in Hawaii eigentlich der optimale Platz zum Leben zu sein. Bei unserem letzten Treffen sagte Manu zu uns, wir sind schon immer wieder aufgebrochen und warum soll sich dies ändern? Konny hat es dann wie immer ganz trocken auf den Punkt gebracht: „Wer stehen bleibt wird nicht weiterkommen“. Damit ist eigentlich auch so ziemlich alles gesagt. Beachtlich aber auch, dies von einem Mann zu hören, der gerade seinen 70sten gefeiert hat. Um es vorweg zu nehmen. Die Pläne sind nun spruchreif und die ersten Containerangebote für den Umzug liegen auch schon vor. Es wird wohl die Karibikinsel Barbados. 

Ehrlich gesagt mussten wir erst einmal auf der Weltkarte nachschauen, wo dieses nur 430 km2 kleine Eiland überhaupt liegt. Nur als kleiner Punkt verzeichnet, ist Hamburg fast doppelt so groß wie die dann neue Heimat der bekanntesten Auswanderer Deutschlands. Für ein Reisemobil taugt der Karibik-
traum auch nicht. Gestartet nach dem Frühstück, wären sie zum Mittagessen wieder zurück. Das war aber
auch nicht der Plan. Die Idee war und ist, das Festland der USA zu erkunden und dann bei nächster Gelegenheit mit dem Gefährten gen Europa zu schippern. Wie damals mit dem Greyhound. Vorausgesetzt natürlich, dass es nicht nur als Reisemobil, sondern letztlich auch als Wohnmobil fertiggestellt wird. Bei unserer Ankunft balancierte Konny nicht ganz altersgerecht auf einem wackligen Gerüst umher, um die letzten Bretter am Hausdach anzunageln. „Ich komm gleich ihr Spacken“, schallte es wie so oft zur Begrüßung nach unten. Uns war sofort wieder klar. Langeweile kommt auch diesmal keine auf, wenn uns der Altmeister in den nächsten Tagen von seinen Geschichten erzählen wird. Oder kennen Sie einen, der im Reisemobil seine
Mischbatterie für die Dusche schon einmal einbetoniert hat? Wir jetzt schon.

Doch länger als befürchtet

 

Ich hatte in der letzten Bordbuch Ausgabe schon rumgejammert. Du nimmst dir was vor. Überschlägst so ungefähr die Bauzeit und bist ob deiner Erfahrung sicher, dass es diesmal auf jeden Fall schneller geht. Richtig geraten, es klappt nie. Was natürlich auch daran liegt, dass immer irgendwas dazwischen kommt. Eigentlich weiß man aus Erfahrung, dass auch dies immer so ist, aber das blende auch ich gerne aus. Aber beim nächsten Ausbau wird alles anders werden. Ich bin mir ganz sicher Ich muss jetzt aber auch gezwungenermaßen ordentlich Gas geben. Wir werden nämlich unsere Insel hier wieder einmal verlassen.Manu meint, so alle 10 Jahre sind wir eh schon immer umgezogen und so ist es wohl wieder an der Zeit. Zuerst wollten wir nach Fidschi, einer meiner Favoriten. Manu war das aber zu abgelegen und da wir dann doch immer mal wieder nach Deutschland reisen müssen, wäre es noch komplizierter als jetzt schon von Hawaii aus. Dann kam die Idee auf nach Costa Rica zu ziehen. Wir also hingefahren und es war auch ganz nett, aber als es dann ununterbrochen regnete, waren wir uns schnell einig, dass es für uns nicht das Richtige ist. Gefunkt hat es dann aber in Barbados und das wird auch unsere neue Heimat. Prima Klima und auch sonst ist und sind alle entspannt. Wir haben jedenfalls ein gutes Gefühl und darauf kommt es an. Einen guten Baumarkt habe ich auch schon ausgemacht, übrigens eins meiner Hauptkriterien. Weil eines ist klar, umgebaut und gebastelt wird auch dort. Kommt halt drauf an für welches Haus wir uns entscheiden. Was gut ist, die Grundstücke sind groß. Die meisten haben auch noch Nebengebäude und da werde ich wieder eine ordentliche Werkstatt haben. Das war in Hawaii nicht so ganz optimal. Mir graut es, meinen ganzen Kram zusammen zu tragen und im Container zu verstauen. Ich glaub ja, dass alles in einen großen 40 Fuß Container passt.

 

Ich muss ausmisten

Die Spacken vom Bordbuch meinen, dass dies niemals reicht und lustig haben die sich auch über meine olle Drehbank gemacht. So Sprüche musste ich mir anhören wie „da ist bestimmt noch Garantie drauf“ oder „wenn ich die auf Barbados starte, geht auf der ganzen Insel das Licht aus“ und „die könnt ich ja bestimmt als Handgepäck aufgeben“. Zugegeben, die ist nicht nur sperrig, sondern auch noch schwer dazu und gebraucht habe ich die in den letzten Jahren auch nicht, aber wenn, dann bin ich der König. Ich hab aber auch schon einiges weggeschmissen. Von alten Chevy Lichtmaschinen und Anlassern, die ich damals von Schenefeld schon mitgebracht hatte und sonstigem Kleinkram, hab ich mich schweren Herzens getrennt. Aber das kennt ihr bestimmt auch. Willst ausmisten und findest dann Teile, wo du gar nicht mehr gewusst hast, dass du die überhaupt hast. Anstatt zu entsorgen, legt man die dann doch dorthin zurück, weil es könnte ja sein, dass irgendwann genau dieses Schätzchen gebraucht wird. Manu sagt zwar nix, aber ich glaube schon, dass sie sich manchmal fragt für was der ganze Kram gebraucht wird, aber ich sag ja auch nichts bei ihren Staubfängern (Stehrümchen), die im Haus verteilt sind.

Sinnvolle Investitionen 

Was ich auch noch in der Zwischenzeit montiert hatte, ist die Rückfahrkamera. Ohne fahr ich nicht mehr los. Mit den zwei Außenspiegeln siehst man zwar ganz gut was hinten an der Seite passiert, aber um sicher zu gehen, muss eigentlich einer hinten winken. Es gibt ja so Anbaukram den man gerne hätte, aber ehrlich gesagt Spielerei ist. So eine Kamera zählt bei mir aber definitiv nicht dazu. Schon beim ersten Bus hatte ich die verbaut und war echt zufrieden. Manu auch, weil die musste früher im Regen immer nach hinten rennen. Apropos rennen. Hab ich euch übrigens schon meine Ausziehkühlbox gezeigt? Die steht jetzt auf einem Seitenauszug und wenn wir draußen sitzen, kann ich die Box wie ne Schublade ganz bequem einfach nach außen ziehen. Muss also keine langen Wege mehr zurücklegen. Stabil muss das Ganze aber sein. Die Kühlbox wiegt schon einiges und mit Inhalt wird es auch nicht unbedingt leichter. Die Kühlbox verschwindet übrigens unter dem Bett. Matratze habe ich bei Frankana Freiko® machen lassen. Probe gelegen waren wir schonmal und ich glaube die wird auch ganz gut. So ein einfacher Schaumstoff war früher. Jetzt sollte es doch eine richtige Matratze sein, da waren wir uns schnell einig. Einsfünfzig in der Breite sollte locker reichen. Die Quatschköppe vom Bordbuch meinten, bei unserer Größe könnten wir uns ja aussuchen, ob wir dann längs oder quer schlafen. 

Erdbebensicher befestigt 

Was ich übrigens elegant gelöst habe, ist die Befestigung unserer Mischbatterie für die Dusche. So richtig anschrauben kannst du die ja nicht und schon gar nicht bei meiner Verkleidungskonstruktion. Die Wand ist ja nur ein Rahmen mit Kanthölzern und je auf der Seite wird der mit dünnen Echtholzpanelen verkleidet. Bei meinen vorherigen Ausbauten hab ich das noch mit Täfelbrettern gemacht. Ist alles schwerer, was aber bei den Amikarren eigentlich nie ein Problem ist, aber so ging es einfach schneller. Aber auch das hätte mein Problem mit der Mischbatterie nicht gelöst. Hab dann etwas rumüberlegt und kurzerhand beschlossen das Problem mit Zement zu lösen. Eine kleine Schalung war schnell zusammen gezimmert und diese hab ich dann einfach in der Zwischenwand mit Beton ausgegossen. Mischbatterie darin versenkt und am nächsten Tag war alles fest. Da wackelt auch nix 

Da geht was 

Das warme Wasser mache ich mit einem Durchlauferhitzer. Der ist jetzt auch drin. Den habe ich nicht vom Klaus bekommen, aber er meinte, da gibt es jetzt was ähnliches auf dem deutschen Markt. Das muss ich mir mal angucken, wenn ich wieder auf dem Caravan Salon bin. Vielleicht ist der leiser. Wenn meiner anfängt zu heizen, da geht es richtig ab. Der Start vom Space Shuttle ist ungefähr in der Größenordnung. Aber die Stellplätze in USA sind meistens weit auseinander und außerdem stehen wir sowieso meistens irgendwo in freier Wildbahn. Aber wo wir schon beim Wasser sind. Verlegt sind alle Leitungen mit dem schon bei den früheren Ausbauten bewährten deutschen Steck-Wassersystem. Das funktioniert gut und auch bei den beiden alten Bussen war da nie was undicht. Jedenfalls hatte ich zum Test, ob alles dicht ist, die Hähne aufgedreht. Undicht war nichts, aber nach kurzer Zeit floss das Wasser nicht mehr ab. Abwassertank war aber leer und so machte ich mich auf die Suche. Meine Vermutung und naheliegend war zuerst, dass irgendwo was verstopft ist. War aber nicht, sondern lediglich ein Schlauch war unter Niveau. Erst hat das funktioniert, aber dann war Ende und das Waschbecken und die Dusche liefen voll. Da suchst du dir echt einen Wolf, aber irgendwann war der Übeltäter ausgemacht. Das ist so Kleinkram der unnötig aufhält. 

Ob das nun klapp

 

Irgendwann hat dann auch Manu gedrängelt. Hatte euch beim letzten Mal berichtet von der Aktion mit ihrem Kleiderschrank. Meiner Meinung nach ein überbewertetes Projekt, aber beim Kleiderschrank war absolut nichts zu machen. Wenigstens habe ich den Platz für den Backofen noch rausholen können. Da ich den nicht ganz nach unten einbauen konnte, da man sich ja sonst beim Bedienen schwer tut, habe ich ihr den Platz unter dem Ofen als Schuhschrank verkauft. Dadurch wird natürlich ihr Schrank oben nun doch um einiges kleiner, aber gesagt hat sie noch nix. Ich warte mal ab, lebe aber in der stillen Hoffnung im Schuhschrank Werkzeug unterzubringen. Mal sehen ob das klappt, bin mir aber unsicher. Manu hat in letzter Zeit für den Bus auch ganz ordentlich gebuckelt. Stoffe ausgesucht und alles schön in ihrem Schneider-Atelier in Form gebracht.

Manu hat den Überblick 

So jetzt melde ich mich auch mal. Von wegen Stoffe im Atelier zuschneiden. Konny hat geflissentlich unterschlagen, dass ich schon öfter am Bus mitgeholfen habe. Ich hatte zum Beispiel den undankbaren Job die Decke zu malern. So ganz zufrieden war er mit meiner Arbeitsleistung nicht, aber ich finde so blöd habe ich mich jetzt auch wieder nicht angestellt. Aber meine Domäne ist eigentlich das Schneidern und, dass alles nett und gemütlich ist in unserem Reisegefährten. Es ist nicht unser erstes Wohnmobil. Über die Jahre haben wir einige verschlissen. Wie Konny schon geschrieben hat, unser ganz Großer der steht bei Klaus, also Frankana Freiko® im Frankenland. Den abzugeben, das war schon hart für mich. Grade in USA, wo dementsprechend Stellplätze zur Verfügung stehen, war das schon cool. Letztes Jahr waren wir in Marktbreit zu Besuch. Im Schrank sind immer noch meine Handtücher schön gestapelt. Eigentlich könnten wir gleich wieder los, aber wir haben erstmal andere Pläne. Jedenfalls, den Stoff für die Bezüge der Sitzbänke und Kissen unseres „Neuen“ habe ich hier in Hawaii organisiert. Nach langer Suche hatte ich einen Laden ausgemacht, der auch Bezugsstoff in ordentlicher Qualität und optisch ansprechend auf Lager hat. Beides gleichzeitig ist gar nicht so einfach. 

Als wir noch in Texas gewohnt haben, da war es noch schwieriger. Der Amerikaner – sagen wir mal vorsichtig – hat manchmal einen etwas ungewöhnlichen und außergewöhnlichen Geschmack. Hier auf Hawaii gibt es die Einflüsse der ursprünglichen Ureinwohner, den Polynesiern, was die Sache optisch etwas ansprechender und einfacher für mich macht.  Ich hab übrigens auch eine Werkstatt. Atelier oder auch Studio könnte man sagen, aber letzten Endes ist es wie bei Konny. Eine Werkstatt in der ich viel Zeit verbringe. Diese ist schräg gegenüber von Konnys Schrauberbude und vom ersten Stock habe ich voll den Überblick. Hier entstehen auch die Designs meiner Kollektion „Just Kiddies“ die ich nicht nur, aber auch seit vielen Jahren im Internet anbiete. Jedenfalls habe ich hier auch die passenden Maschinen, um Bezüge, Kissen und Vorhänge für unseren Bus zu nähen. Ein Teil ist schon fertig, nur die Vorhänge muss ich noch machen. Hilfreich ist meine Überwendlich-Nähmaschine. Hiermit geht es gut voran, da diese näht, schneidet und die Kanten in einem Arbeitsgang ordentlich einfasst. Nicht ganz so professionell, aber das
geht auch mit einer normalen Haushalts-Nähmaschine, dann eben mit Zickzackstich. 

Wichtig war mir auch, dass der Stoff nicht nur gut aussieht. Er sollte schon strapazierfähig sein, sonst sieht das Ganze nach kurzer Zeit faltig aus. Bei uns ist es nämlich so, dass ich während der Fahrt hinten auf unserer Sitzbank Platz nehme. Amerikanische Schulbusse haben nämlich keinen Beifahrersitz. Das ist anfangs etwas ungewohnt, aber da gewöhnt man sich schnell dran. Da ich logischerweise viele Stunden dort verbringe, während wir unserem nächsten Ziel entgegen fahren, muss es natürlich auch bequem sein. Eigentlich wollte ich die Sitzbank retten, die ursprünglich im Bus eingebaut war. Die fand ich gut. Konny hat dann mächtig die Welle gemacht und mich letztendlich überredet eine neue selbst zu zimmern. Im Gegenzug hat er mir einen Kleiderschrank versprochen und den auch gebaut. Etwas gelinkt hat er mich dann doch, da er den Backofen noch integriert hat. Er meint das reicht, da ich eh kein langes Abendkleid mitnehmen muss und mir kurze Kleider auch ganz gut stehen. 

Heizen während der Fahrt 

Hatte ja schon erwähnt, dass ich dabei bin meine Werkstatt etwas auszumisten. Dabei fiel mir ein altes Walzengebläse und ein ebenso fast neuwertiger Wärmetauscher aus den 70ern in die Hände. Erst wollte ich auch diese beiden Schätzchen wegschmeißen, aber dann kam mir die Idee, dass ich damit eine Warmwasserheizung basteln könnte, die während der Fahrt den Innenraum beheizt. Also kurzerhand das Bett nochmal abgebaut und einen Kasten gezimmert, wo unten der Wärmetauscher sitzt und oben das Gebläse. Wenn es jetzt Manu hinten während der Fahrt zu kalt wird, startet einfach das Gebläse. Dieses saugt unten vom Innenraum die Luft an und oben wird ausgeströmt. Das Ganze steuere ich über einen Innenraum-Temperaturfühler aus meinem Fundus. Natürlich ist auch dieser absolut Stand der Technik. Die Drehzahl regeln, das werde ich wohl über einen regelbaren Widerstand machen. Da muss ich aber erst nochmal in meiner Werkstatt wühlen, aber da müsste noch irgendwo einer zu finden sein.

Die Richtung passt 

Und wie gesagt, Kleinkram ist halt noch zu erledigen. Die Küche ist so gut wie fertig. Wasser läuft, es kommt auch warm und das Gas-Ceranfeld funktioniert auch. Für die Oberschränke muss ich noch Klappen basteln, aber da fehlen mir noch die Scharniere. Will ich aber jetzt dann angehen. Immerhin habe ich letzte Woche mein Navigationsgerät integriert. Ich brauch da keinen Schnickschnack. Reicht doch, wenn die Richtung stimmt. Außerdem ist das Teil auf keinen Satelliten angewiesen und funktioniert ganz ohne Strom. Einfach so.

In diesem Sinne wünsche ich
für diese Saison alles Gute
und passt auf Euch auf. 

Bis bald

Euer Konny