Die Camper Manuela und Konny Reimann


Na, wie lebt es sich so ohne Wohnmobil?

Manu: Als die Entscheidung gefallen war nach Hawaii umzuziehen, haben wir unseren schönen Bus verkauft. Wir dachten, dass es keinen Sinn macht hier ein Wohnmobil zu haben. 

Konny: Eigentlich stimmt das auch, da die Insel klein ist, aber es spielt eigentlich keine Rolle. Mal zum nächsten Strand und dort am Wochenende einfach bleiben. Warum nicht. Ich bin jedenfalls wieder dabei den kleinen orangenen Schulbus, mit dem ich immer rumfahre, zum Wohnmobil umzubauen. Klo habe ich schon drin und die Klimaanlage macht auch schon kalt. Wenn ich fertig bin zeig ich ihn her.

Ihr seid mit dem Bordbuch-Wohnmobil im letzten Jahr unterwegs gewesen. Was hat euch an dem Projekt Australien gereizt?

Konny: Zum ersten, weil es ein Truck ist und Australien kannten wir ja noch nicht.

Manu: Auch, weil das Fahrzeug ausgerüstet war für alle Eventualitäten. Ich hatte das Gefühl, dass alles möglich ist. War dann ja auch so. Man fühlte sich auch irgendwie sicher.

Wie war es dann als es los ging?

Manu: Ich musste mich erstmal dran gewöhnen an das Fahren. Man musste ins Führerhaus klettern und alles war groß.

Konny: Und, dass Du auf der falschen Seite gesessen bist.

Manu: Ja genau. Beim Linksverkehr sitzt der Fahrer normalerweise ja rechts. Bei uns war das Lenkrad aber links und ich als Beifahrer fuhr am Mittelstreifen. Wenn da ein Road-Train entgegen gekommen ist, war das erstmal komisch.

War der Linksverkehr eine große Umstellung? 

Konny: Eigentlich nicht. Im Vorfeld hatte ich mir mehr Gedanken dazu gemacht. Als es dann soweit war hat es besser geklappt als befürchtet. Komisch war es höchstens, wenn du auf eine T-Kreuzung zufährst zum Abbiegen. Dann musst du kurz überlegen, oder im Kreisverkehr.

Manu: Nur ganz wenige Male musste ich Konny korrigieren, aber da war dann auch keiner. Vielleicht ist es auch einfacher, wenn mehr Verkehr ist. Da konzentriert man sich ganz anders, wie wenn einem nur alle halbe Stunde einer entgegenkommt.

Wie war eure Vorstellung von Australien?

Manu: Alle, mit denen ich im Vorfeld darüber gesprochen hatte, sagten mir: Pass auf wegen der gefährlichen Tiere! Spinnen, Schlangen alles ist giftig und so weiter. Da hatte ich aber keine Panik. Meine Vorstellung war: Riesiges Land/Rote Erde/ Kängurus und irgendwo in der Mitte ist ein großer Berg.

Konny: Auch, dass es viel Steppe gibt und alles ziemlich trocken ist. Und, dass die Entfernungen gewaltig sind.

Und wie war es dann?

Konny: Also, das mit den Entfernungen war auch so. Da fährst Du ewig, aber so trocken wie gedacht war es gar nicht. Viele Flüsse und selbst im Zentrum von Australien regnet es öfter als ich dachte und dann scheinbar richtig. Überall stehen Schilder, dass man aufpassen soll wegen Überflutung und so.

Manu: Ja genau. Das war teilweise erschreckend. Bei manchen Senken war die Markierung bis zu 2 Meter hoch. Ja und diese LKW’s im Outback, das war der Hammer.


Was war da so anders als in USA?

Manu: Die in Amerika sind auch groß, aber die in Australien ziehen noch 4 riesige Anhänger. Das sind wirkliche LKW-Züge.

Konny: Davon wusste ich schon. Bei meinem Ami-PickUp wollte ich mir in Deutschland einen Bullenfänger selbst schweißen. Es gab damals Filme von Crocodile-Dundy und da waren schon diese Road-Trains ab und an mal zu sehen. Das diente mir dann auch als Vorlage.

Wie hat es denn mit dem Fahren geklappt?

Konny: Ich bin ja die ganze Strecke gefahren. Mit den vielen Schaltern und Funktionen musste ich mich erstmal vertraut machen. Bei meinen alten Klamotten war fast alles mechanisch. Da hat nix automatisch zugeschaltet. Die Sperren an der Vorderachse musste ich noch mit Hand am Rad zuschalten. War hier einfacher. Schalter drücken und los.

Manu: Es gab aber auch einige brenzlige Situationen. Die Fahrt durch den Fluss zum Beispiel, wo keiner wusste wie tief es war und dann auch später in dem sandigen Bachbett, als wir grade so wieder rausgekommen sind.

Konny: Ich fahre seit über 20 Jahren mit Allrad. Das hat mir geholfen in der jeweiligen Situation den richtigen Gang zu finden oder die Sperre dann zuzuschalten.

Und die gefährlichen Tiere?

Manu: Ich hatte mir im ersten Laden ein Poster besorgt, auf dem alle giftigen und gefährlichen Tiere drauf waren. Das waren ganz schön viele, aber in Texas gab es auch Skorpione und giftige Schlangen. Vielleicht hat mir das geholfen.

Konny: Es ist ja eigentlich so, dass die Tiere normalerweise abhauen. Nur wenn du direkt drauflatscht oder sie in die Enge getrieben werden greifen sie an. Letztendlich musst Du fast Glück haben Tiere zu sehen. Alles halb so wild, aber wo ich echt Respekt hatte war bei den Krokodilen.

Welche Erfahrungen habt ihr mit Krokodilen gemacht?

Manu: Gleich am Anfang waren wir auf einer Krokodilfarm. Das war beeindruckend. Da hatte ich ein Krokodilbaby auf dem Arm. Obwohl das so klein war, hat man gespürt wieviel Kraft das schon hat.

Konny: Das würde ich jedem raten bei einer solchen Reise, sich das mal anzuschauen. Wenn die gefüttert werden, dann kommen die blitzschnell aus dem Wasser. Vorher siehst du nur 2 Augen und dann geht´s ab. So schnell kannst du nicht abhauen.

Wie war es als ihr über den Fluss musstet?

Konny: Da waren Krokodile da, aber da der Fluss Strömung hatte war ich der Meinung, dass es kein Problem ist. Wäre das ein stehendes Gewässer gewesen, dann hätte ich mehr Bedenken gehabt.

Manu: Für mich war es erstmal schon komisch, aber ich hatte mehr Angst irgendwo im Fluss stecken zu bleiben. Der war schon groß und die Überfahrt war lang und keiner wusste ja was auf uns zukommt. 

Manu: Nochmal wegen der gefährlichen Tiere. Die ersten Tage hatte ich immer meine Wanderschuhe an. Dann nur noch Flip Flops. Klar ist das unvernünftig, wenn man darüber nachdenkt, aber man wird auch lässiger.

Lässig ist das Stichwort. Das sagt man dem Australier ja nach. Habt ihr das auch so empfunden?

Manu: Ja, wir fanden den Australier schon ziemlich relaxt und auch sehr nett. Jedenfalls dann, wenn man ihn versteht (lacht). Der Akzent ist schon gewöhnungsbedürftig. Ich hab gerne zugehört und versucht was zu verstehen. War aber oft nicht einfach.

Konny: Wir waren von Texas ja schon einiges gewohnt, aber da hat man manchmal gedacht
es ist eine andere Sprache. Lässig und freundlich waren die Leute immer. Triffst ja aber auch nicht so viele.

Ihr seid auch quer durchs Land. Wie war das mit den Entfernungen?

Konny: Ja genau, da fährst du manchmal den ganzen Tag und kommst an zwei Road Houses vorbei. Dazwischen ist nix. Da fragst du dich schon, woher die Leute am Abend in der Bar, kommen, wenn da voll ist.

Manu: Wir waren an einem Abend an einem Roadhouse, da kamen zwei aus dem Busch, die kamen mit ihrem Hubschraubern angeflogen, um ein Bier zu trinken. Verrückt.

Wie ist es, wenn dann unterwegs mal was passiert?

Manu: Das können wir uns gar nicht vorstellen. Die Versorgung geht nur mit dem Flugzeug. Wie, wenn du bei uns einen Krankenwagen anforderst, kommt da der Doktor geflogen. Die Australier nennen das „Flying Doctor Service“. Ist da ganz normal. Wenn du im Outback was hast, dann landet das Team direkt bei dir auf der Farm.

Konny: Da gibt es sogar Anweisungen wie du dich verhalten sollst, wenn du einen Doctor angefordert hast. Musst dann nach einer Stelle Ausschau halten wo er landen kann und Steine zur Seite buckeln, damit das auch klappt.

Würdet ihr Australien als Reisemobilland empfehlen?

Konny: Australien musst du mit dem Reisemobil bereisen. Alles andere ist Quatsch. Klar, wenn du nur die Städte wie Sydney oder Melbourne, oder den Ayers Rock anschauen willst und keine Zeit hast, dann rentiert sich das nicht. Aber im Land rumfahren, das musst du im Wohnmobil machen.

Manu: Das Land ist ja riesig, wahnsinnige Entfernungen und da gibt es auch nichts zu wohnen. Da ist kein Hotel und die Unterkünfte in den Road Houses sahen mir auch nicht grade so komfortabel aus.

Konny: Außerdem kannst Du anhalten wo du willst. Musst nix planen und kannst dein Reisetempo so anpassen wie Zeit zur Verfügung ist. Besser geht nicht. Aber es ist eigentlich egal welches Land man besucht. Wer Land und Leute kennenlernen will, muss mit dem Wohnmobil oder Wohnwagen unterwegs sein.

Manu: Du erlebst auch mehr. Bist in der Natur. Auf einem Platz in Australien waren die Kängurus ganz nahe bei uns, da wo unser Stellplatz war. Was nützt es, wenn du in deinem Hotelzimmer sitzt.

Wenn Euch einer fragt, wie lange er einplanen müsste, um Australien rundum zu bereisen. Was wäre eure Antwort?

Konny: Also ein halbes Jahr wäre schon gut. Dann wird es sich vielleicht auch rentieren das eigene Fahrzeug mitzubringen.

Manu: Wer hat schon so lange Zeit. Aber man könnte ja aufteilen. Ich würde lieber nur 3 Mo-
nate unterwegs sein. Vielleicht erstmal die Ost-
küste machen. Ein halbes Jahr wäre mir zu lange. 

Konny: Ich wäre gerne solange am Stück unterwegs. Einfach mal in die Zeit reinleben. Ohne Zeitdruck, das wär mal was. Aber ehrlich gesagt hätte ich dann gerne mehr Platz. Da wünsche ich mir unseren alten Greyhoundbus zurück. Das wär genau das richtige.

Da es eine Testfahrt war, wurde die Reise-
zeit im heißesten Monat gewählt. Gab es Probleme mit der Technik? 

Konny: Es hat mich selbst gewundert. Obwohl es doch richtig heiß war und fast 50 Grad auf der Uhr, hatten wir immer kalte Getränke. Ich als alter Kältefuzzi hätte es nicht geglaubt. Kühlschrank und die Kompressorkühlbox liefen zwar praktisch rund um die Uhr, aber zu keiner Zeit war die Cola warm. Ich hatte vorne ja ein Display, auf dem alle möglichen Temperaturen für die Testfahrt auch angezeigt wurden. Zum Teil hatten wir im Technikraum, also wo alles Equipment untergebracht war und auch die Kühlbox drin stand, oftmals 60 Grad. Hat aber alles funktioniert und die Box hielt 7 Grad.

Manu: Wir hatten während der Fahrt die Innenraum-Klimaanlage laufen. Die war am Limit, hat aber immer funktioniert.

Was würdet ihr empfehlen. Reicht ein normaler Camper oder sollte er Allrad haben?

Konny: Australien ist jetzt nach unserer Erfahrung auch möglich mit einem normalen Reisemobil. Es muss einem nur klar sein, dass manche Strecken nicht zu fahren sind. Da wo wir durch den Fluss gefahren sind, brauchst du erst gar nicht hin. Auch irgendwo mal quer auf der Piste ist kaum möglich. Wenn es da mal regnet sitzt du fest.

Manu: Es gilt dann natürlich auch die Jahreszeiten genau zu beachten. Wenn es öfter regnet ist das Risiko ohne Allrad einfach größer.

Konny: Aber wer auf den normalen Straßen bleibt, der kann sich auch ein normal angetriebenes Reisemobil mieten. Vielleicht sind die auch in einem besseren Zustand als die Allradcamper. Unsere Filmfuzzis hatten solche gemietet. Also die waren schon ziemlich betagt und in einem dementsprechend – sagen wir mal – gut gebrauchten Zustand.

War es mal eng mit dem Bordbuch-Truck?

Konny: Eigentlich sind wir immer überall gut durchgekommen. Ganz am Ende der Reise. Ich glaube es war der vorletzte Tag, haben wir uns in einem ausgetrockneten Flussbett fast festgefahren. Ich wollte erst aussteigen und die Bedingungen checken, aber dann dachte ich mir, das wird schon gehen und dann war es haarscharf. Alles an Sperren und Untersetzungen war im Einsatz um aus dem Treibsand wieder rauszukommen. Es war knapp, aber wenigstens mal wieder richtig Abenteuer.

Manu, was war für Dich ein ganz besonders Erlebnis?

Manu: In Alice Springs waren wir in einem Känguru-Waisenhaus. Da werden die Kinder auf-
gezogen, deren Mütter gestorben sind. Das war sehr beeindruckend, aber es geht einem auch ganz nahe. Viele Kängurus werden ja über-
fahren von Road-Trains, die nachts unterwegs sind und nicht abbremsen können. Wenn die Kin-
der überleben, werden die dann da aufgepäppelt. 

Aber auch in Coober Pedy. Das fand ich cool. Die Häuser unter der Erde in den alten Opalminen, das war abgefahren. Bei einigen war nur ein Ofenrohr zu sehen, das aus dem Boden ragte. Der ganze Ort hatte etwas von Science Fiction. 

Eine letzte Frage, die uns im Bordbuch-
Team alle interessiert. Hattet ihr im Nachhinein irgendwann bereut für Australien zugesagt zu haben?

Konny: Nein zu keiner Zeit. Nur hätten wir mehr Zeit haben müssen. Wenn wir privat für uns gewesen wären, dann hätten wir auch mehr Zeit eingeplant.

Manu: Auch wenn es manchmal anstrengend und auch heiß war. Australien war schön.

Manu und Konny, wir bedanken uns im Namen aller Bordbuch-Leser für dieses Gespräch.